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Unabhängig von Gesellschaftern: Audio-Handelsplattform amy – Weg von den Silos, hin zum offenen Markt

Die Audio-Werbung befindet sich im Umbruch – neue Kanäle und ein stark verändertes Nutzungsverhalten bringen für Marketer neue Herausforderungen mit sich, aber auch Chancen. In dieser Transformation positioniert sich die unabhängige Plattform amy: Sie macht lineares Radio und digitales Audio vollständig programmatisch buchbar. Für Marken und Agenturen bedeutet das: nationale Reichweite, automatisierte Prozesse, präzises Targeting und Echtzeitsteuerung – ohne Medienbrüche zwischen UKW, DAB+ und Streaming. Ein neues Spielfeld für datenbasierte Kampagnenplanung, das klassisches Radio mit den Vorteilen digitaler Buchung verbindet.

Eine Schlüsselrolle beim Aufbau von amy spielt Vermarktungs-Experte Andreas Schilling, seit 2024 CEO des auf Audio spezialisierten Consulting-Unternehmens audioscale. Im Interview mit W&V erklärt er, worin die Besonderheit von amy liegt, wie der „Run-of-Network“-Ansatz funktioniert und welche Vorteile die Unabhängigkeit von Gesellschaftern für Marketer, Agenturen und Publisher mit sich bringt.

Herr Schilling, was ist die Idee von amy – und welche Ziele verfolgen Sie mit dem Ansatz, ein nationales programmatisches Vermarktungsprodukt für Radio und Audio zu launchen?

amy ist eine technologische Plattform für den automatisierten und programmatischen Handel von linearen Radio- und digitalen Audioinventaren, ein Marketplace. Wir sind angetreten, um sämtliche Prozesse rund um den Verkauf, den Einkauf und die Ausspielung von Werbeinventaren und -kampagnen im linearen Radio und Digital Audio zu automatisieren sowie die direkte und programmatische Buchbarkeit zu ermöglichen.

Als unabhängiger Systemanbieter bieten wir mit unserer gesamten Systemarchitektur und unseren Marktpartnern ein plurales Ökosystem im Radio-/Audio-Bereich. Dabei sind wir kein „nationales Vermarktungsprodukt“. Die programmatische Verfügbarkeit von linearen Radio- und digitalen Audio-Inventaren bietet Werbetreibenden und Agenturen enormes Potenzial durch neue Belegungsoptionen, neue Inventarmixes etc. – vergleichbar mit der Wachstumsstory von DOOH.

Hatten Sie für das Modell internationale Vorbilder?

Nein, noch nicht. Interessanterweise sind andere Märkte im Hinblick auf die Automatisierung der Werbeprozesse bei linearem Radio nicht so weit.

Was genau unterscheidet den „Run-of-Network“-Ansatz von amy eigentlich von bisherigen Audio-Vermarktungsmodellen?

Dieser Ansatz folgt der kontaktbasierten Logik von Programmatic Radio/Audio, nämlich über ein national verfügbares und breit gefächertes Inventarportfolio unter Einbeziehung von Targeting- Optionen, die spezifische und präzise Kontaktchancen mit dem Hörpublikum zu bieten. Die Targeting-Kriterien werden vom „Buyer“ definiert. Die zur Erfüllung des Targetings notwendigen Attribute sowie alle technologischen Aspekte werden von unserer Plattform bereitgestellt bzw. erfüllt.

Programmatic ist dabei nur eine der Säule der Automatisierung. Parallel zur Buchbarkeit via etablierter Demand-Side-Plattform bietet amy auch Online-Booking – klassisch Insertion Order-, Self Service Booking und mit Audio Ad Intelligence eine automatisierte und programmatische Konvergenz aus Digital Audio und Linear Radio.

Was sind die Vorteile von amy, die andere Wettbewerber, wie etwa RMS, nicht bieten können?

Als automatisierte und programmatische Handelsplattform steht amy weder im Wettbewerb zu RMS noch zu sonstigen Vermarktern oder Publishern. amy steht allen Marktteilnehmern offen.

Wie funktioniert die Integration in die Werbeblock-Struktur der Radiosender – und welchen Vorteil hat das für Mediaagenturen und Werbungtreibende?

Die Vorteile für Agenturen und Werbetreibende sind die direkte Buchbarkeit in den klassischen Werbeblock, die „harmonische“ Ausspielung im Werbeblock ebenso wie die Möglichkeit der Eckplatzierungen. Höhere Werbewirksamkeit wird durch die nahtlose Integration ins Programm gewährleistet – auf der Grundlage datenbasierter Vermarktung im Programmumfeld. Für Publisher gibt es ebenfalls klare Vorteile, die sich wiederum auf die gesamte Kampagne auswirken.

Die da wären?

Das sind echte automatische Prozesse, automatisierte Feinplanung über die gesamte Werbeblockstruktur und automatisiertes Handling von Werbetrennern, Jingles, Trailern und Musikfiltern.

So funktioniert amy

amy ist eine unabhängige, technologische Plattform für die vollautomatisierte (Online-Booking) und programmatische (Programmatic Radio) Wertschöpfung von linearen Radio- Werbeinventaren (UKW, DAB+).

Damit will amy Publishern die Erschließung neuer Umsatzpotenziale in der regionalen und nationalen Radio-/Audio-Vermarktung ermöglichen – unter Berücksichtigung bewährter und vertrauter Geschäftsmodelle.

Als cloud-basiertes Softwaresystem (SaaS) setzt amy auf das konvergente Kampagnen- Managementsystem amily auf und ermöglicht somit die integrative und technologische Überführung von Radio-Inventaren in programmatische Standards.

Was ist amily?

amily ist das konvergente Kampagnen-Managementsystem für Werbebuchungen in Radio, Digital Audio, TV und Display.

amily bietet mit Fokus auf lineare Radio- (UKW, DAB+) und digitale Audiowerbung (Digital Audio, Podcast) für sämtliche Abläufe rund um Media Sales, Operations, Reporting und Accounting umfassende Funktionalitäten und Tools, die ineinandergreifen.

amily steuert über 75 Prozent der Werbeumsätze aller privaten Radiosender bzw. deren Vermarkter in der DACH-Region (u.a. RMS, STUDIO GONG, ENERGY Media, REGIOCAST, RADIO NRW, Audiotainment Südwest, Antenne Bayern Group).

amy erzielt den Zahlen der ma 2025 Audio II zufolge eine nationale Reichweite von rund 2,1 Milliarden Ad Impressions. Wie wird diese Reichweite für nationale und regionale Kampagnen operationalisiert?

Über den programmatischen Buchungsprozess. Dieser automatisiert den Kauf und Verkauf von Radio-/Audioinventaren über DSPs und SSPs, um ausgewählte Creatives, also Spots, zur richtigen Zeit der richtigen Zielgruppe auszuspielen. Der Prozess beinhaltet das Erstellen einer Kampagne in der DSP entlang von Briefings, mit Zielgruppen- und Targeting-Kriterien, Budget und weiteren relevante Informationen, das Bieten auf verfügbare Werbeflächen durch die SSP und amy, die Platzierung der Creatives und die anschließende Analyse und Optimierung der Kampagnenleistung.

Welche Rolle spielt dabei Geo-Targeting und die datenbasierte, kurzfristige Aussteuerung für Werbekunden?

Eine relevante Rolle, denn unter anderem in der datenbasierten Aussteuerung liegt das Potenzial von Programmatic. Geo-Targeting ermöglicht eine regionale bzw. lokale Zielgruppenansprache und darüber eine effiziente Budgetnutzung. Hierfür liefern wir zahlreiche Attribute, die beim Einkauf entsprechend berücksichtig werden können.

Wie gelingt es, private und öffentlich-rechtliche Radiosender in einem gemeinsamen Vermarktungsprodukt zu vereinen – und warum ist das ein entscheidender Schritt?

Es gelingt gut, dank unseres RoN-Ansatzes. Die kontaktbasierte Vermarktung unterscheidet nicht nach Publishern und/oder Radiosendern. Ausschlaggebend sind vielmehr Zielgruppen- und Targeting-Kriterien und definierte TKPs. Der entscheidende Schritt ist das Aufbrechen von Silos und die Schaffung eines offenen Marktes. Es zählt der einzelne Werbekontakt.

Welche Sender sind bereits mit von der Partie, und wie viele weitere erwarten Sie in naher Zukunft?

Neben den beiden privaten nationalen Vermarktern ENERGY Media und STUDIO GONG sind bereits mehrere öffentlich-rechtliche Einzelsender an die Plattform amy angeschlossen. Aktuell sind es rund 160 Radiosender, mit weiteren befinden wir uns im Onboarding-Prozess.

Sie betonen die Gesellschafterunabhängigkeit von amy. Warum – und inwiefern profitieren Kunden und Agenturen davon?

Als unabhängige, technologische Handelsplattform für Programmatic Radio/Audio verfolgt amy keine originären Media- oder Publisher-Interessen. Dies sorgt in der Zusammenarbeit mit unseren Inventarpartnern für eine größere Offenheit, Transparenz und Dynamik und ermöglicht die direkte Erreichbarkeit von Zielgruppen, auch in regionaler und lokaler Aussteuerung.

Die Audio-Branche ist vielfältig. Sehen Sie langfristig auch Synergien mit Podcasts, Streaming-Plattformen oder crossmedialen Vermarktungs-ansätzen?

Definitiv. Solche Synergien nutzen wir bereits, etwa in der Wechselwirkung von Streaming mit CTV. Unser AAI-Ansatz umfasst alle Angebote aus dem Bereich „Digital Audio“, das heißt nicht nur klassisches Webradio und Streaming, sondern auch Podcasts. Durch die Verzahnung mit anderen Medien erwarten wir einen weiteren Boost. Dazu gehören insbesondere DOOH, Retail Media – hier kommt insbesondere unsere enge Partnerschaft mit der SSP1 der One Tech Group zum Tragen – sowie CTV.

Wird auch KI künftig in der programmatischen Audiovermarktung eine Rolle spielen – z.B. bei Optimierung, Targeting oder dynamischer Ausspielung?

Unser Ziel ist es, den Marktzugang zu Radio- und Audiowerbung für Werbekunden

gleichermaßen innovativ und so einfach wie nur möglich zu gestalten. So gewinnt die Gattung an Attraktivität und erhöht die Chancen, Anzahl und Volumina von Werbebuchungen zu steigern.

Automatisierung und vor allem KI sind dabei wichtige Tools und für uns bei allen Überlegungen und Aktivitäten relevant. Der Einsatz von KI wird im Sinne von Effizienz und Vernetzung die Audiowerbung weiter evolvieren und ermöglicht Werbetreibenden ihre Audiowerbung maßgeschneidert und personalisiert anzupassen, um ihre Zielgruppen noch präziser anzusprechen.

Konkret arbeiten wir an einem Konzept zum Einsatz der KI für eine dynamische Planung und Optimierung der Kampagnenergebnisse. Dies wird in unserer Self Service Booking Platform amy.direct integriert. Diese erweitern wir in Kürze um die KI-gestützte Generierung von Audiospots. Eine Funktion, die überwiegend für den regionalen und rein digitalen Audiomarkt von großer Bedeutung sein wird.

Wie ist die Resonanz von Mediaagenturen und Werbekunden bisher?

Die Agenturseite fordert schon längst, dass Radio-Publisher und -Vermarkter ihre Buchungsprozesse automatisieren. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, über die Automatisierung das gesamte Handling in der Abwicklung zu verschlanken und zu

beschleunigen. Über Programmatic mit „Echtzeitverfügbarkeiten“ lassen sich auch für lineares Radio Audioreichweiten übergreifend für alle Kanäle, inklusive Digital Audio und Streaming, kombinieren. Dies ermöglicht Agenturen einen einfachen und effizienten Einkauf von Audio-Inventaren.

Gibt es bereits erste Cases?

Ja, und zwar eine Vielzahl. Der bedeutendste ist sicher der Case mit Sonos: Durch die programmatische Buchbarkeit von linearem Radio hat der Hersteller von Consumer Electronics erstmals auch Werbebudget im Radio eingesetzt. Über gezieltes Targeting konnte die Agentur MPX via Energy in Hamburg, Berlin und München exakt die Zielgruppen ansprechen, die perfekt zu den Kommunikationszielen der Sonos-Kampagne passten.

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